Bikerun 2001 - Der Reisebericht

Bericht + Bilder von Oli

Der ECMC-Bikerun ist DAS schwule Motorradtreffen überhaupt, und wird in jedem Jahr von einem anderen ECMC-Club in einem anderen Land Europas, meist Ende Juli / Anfang August ausgerichtet. Zwischen ca. 120 und 150 Biker aus ganz Europa nehmen im Durchschnitt teil - nach dem LMC Vienna im Jahr 1999 und dem MS Amsterdam im letzten Jahr war in diesem Jahr der LFRR Essen an der Reihe. Als Standort wurde durch die Freunde aus dem Ruhrgebiet das Weserbergland ausgesucht - eine tolle Mittelgebirgsgegend im Dreieck Göttingen - Hannover - Paderborn, die jede Menge Fahrspaß auf kurvigen Straßen in der waldreichen Landschaft versprach...
Ort des Geschehens war vom 5. bis 9. August Lauenförde an der Weser, wo der LFRR die als Bikertreffpunkt weit bekannte Villa Löwenherz komplett gemietet hatte. Über 150 Biker fanden sich zusammen, für eine super Unterkunft und Verpflegung war bestens gesorgt, und die Jungs vom LFRR hatten für die vier Tage ein klasse Programm auf die Beine gestellt.... Ralf und ich nehmen seit Jahren an den Bikeruns teil, die immer ein toller Höhepunkt auf dem Reisekalender sind, und ließen ihn uns natürlich auch in diesem Jahr nicht entgehen. :-) Karte Lauenförde

Villa Löwenherz Schon die Anreise hat Spaß gemacht, als gebürtiger Kasselaner (der Bikerun war deshalb für mich eine Art "Heimspiel" :-) nutzte ich die Gelegenheit, erstmal bei der Family vorbeizuschauen. Ralf musste am Samstag leider noch arbeiten und kam am Sonntag früh nach, und nachdem wir Jürgen, der aus Köln zu uns stieß und bei Ralf als Sozius mitfuhr, am Bahnhof Wilhelmshöhe aufgeladen hatten, ging es über Bundesstraßen Richtung Lauenförde. Das Wetter war nicht so furchtbar toll, aber geschickt wichen wir einigen Schauern aus und erreichten trocken zur besten Kaffee- und Kuchenzeit die altertümliche Villa in Lauenförde.
Ein großes Hallo folgte - viele gute Freunde waren schon da oder trafen nach und nach ein, und nachdem die Gebäckberge im wirklich gut ausgestatteten 4-Mann-Zimmer (mit Raucher-Balkon :-) verstaut waren, folgte nach ausgiebigem Smalltalk und dem Abendessen die Begrüßung  und die Vorstellung der verschiedenen Routen und Gruppen  für die Ausfahrten, die ortstypisch (Lauenförde liegt an der deutschen Märchenstraße) mit Namen aus Märchen und Sagen benannt waren.
Wir entschieden uns für die Gruppe "Herkules", die von Volker geleitet wurde, und hatten damit eine goldrichtige Wahl getroffen, wie sich noch herausstellen sollte :-) Außer Volker und uns waren noch Axel und Folker (mit F :-), und die drei Holländer Peter, Richard und Harm dabei - eine tolle Truppe - wir hatten schon beim ersten Zusammensetzen, um die Fahrt für den nächsten Tag zu besprechen, eine Menge Spaß :-)

Am Montag früh ging es dann, nach einem leckeren Frühstück, bei ziemlich durchmischtem Wetter auf die erste Tour, kreuz und quer durch das Weserbergland. Die erste Etappe führte uns in den Solling, ein riesiges Waldgebiet mit vielen Kurven, kleinen Bergen und Dörfern. Hier mussten leider erstmal die Regenkombis zum Einsatz kommen...
Weiter ging es im großen Bogen Richtung Wesertal nach Bodenwerder, einem kleinen Städtchen, wo wir uns nach der Besichtigung der Fußgängerzone ein freundliches Restaurant direkt am Weseranleger suchten und uns etwas stärkten, während ein Dampfer mit ca. 5000 Lebensjahren "Inhalt" anlegte. :-) Nachdem wir die geballte Rentnerschar auf der Weserpromenade doch etwas erschreckt hatten, ging es danach zügig weiter in Richtung Hämelschenburg bei Bad Pyrmont, wo uns ein wirklich wunderschönes Renaissance-Schloss erwartete.
Regenpause
Bodenwerder Parkplatz
Hämelschenburg Hier fand, als alle Gruppen eingetroffen waren, eine interessante Führung durch die historischen Säle und Gemächer statt, wobei die Kellergewölbe bei einigen sehnsüchtige Blicke auslösten :-)) Nach einem letzten großen "Fototermin" vor dem Schloss ging es dann gruppenweise weiter, an Pyrmont vorbei über kleine kurvige Landstraßen hinauf zum Köterberg, dem höchsten Punkt des lippischen Weserberglands.
Dank der Ortskenntnis eines nicht näher genannten Reisebericht-Autors (grins) trafen wir als erste oben ein und bestaunten den Fernsehturm und die wirklich tolle Aussicht ringsherum. Vom Wetter her gesehen hatten wir Glück - von "oben" konnten wir nach allen Seiten kleinere dramatisch aussehende Wolkenbrüche betrachten, auf dem Berg selber blieb es trocken... Köterberg
Über wiederum nur Insidern bekannten Schleichwegen ging es dann weiter ins Wesertal, über Höxter zurück nach Lauenförde, wo in der Villa wieder zuerst ein leckeres Abendessen und danach viel Spaß warteten - trotz des grauslichen Wetters ein rundherum gelungener Tag...

Dienstag dann die Tour in den Harz - mit bis zu 1142 Metern Norddeutschlands höchstes Gebirge und ein Biker-Paradies schlechthin... Bei noch trübem Wetter starteten wir zunächst über Bad Karlshafen die Oberweser entlang bis Hemeln, dann eine wirklich tolle kleine Waldstraße durch ein enges Tal hinauf nach Dransfeld und von hier "querbeet" zur B27 am südlichen Rand von Göttingen, wo zum ersten Mal so richtig die Sonne zum Vorschein kam. Klar, dass wir hier eine Pause einlegten und die Sonnenstrahlen genossen, das Stimmungsbarometer stieg natürlich sofort und sorgte für einigen Übermut :-))
Elegant wurde Göttingen umfahren, und auf gut ausgebauten Landstraßen erreichten wir Duderstadt, ein schönes Fachwerkstädtchen am Nordrand des Eichsfelds. Hier folgte die unvermeidliche "Culture" - zu Fuß wurde das historische Zentrum mit den zwei gotischen Kirchen und dem leider durch ein Baugerüst verhüllten Fachwerkrathaus aus dem 13. Jahrhundert erkundet. Für das eigentlich hier geplante Mittagessen war es einfach noch zu früh, aber bei strahlendem Sonnenschein verputzten wir als zweites Frühstück einen entsetzlich leckeren Eisbecher :-)
Brocken Weiter ging es zügig Richtung Hochharz (an dieser Stelle ein dickes Lob an alle "Herkulesse" - die Gruppe hatte einen tollen gemeinsamen Fahrstil entwickelt!), in Herzberg suchten wir uns ein Restaurant zum Mittagessen, das sich, obwohl sehr versteckt gelegen, in dieser Kleinstadt als ein Glücksgriff erwies - einfach feudal und köstlich mit  einem tollen und herzlichen Service trotz unseres, ähm, ungewöhnlichen Outfits :-)
Nachdem wir uns alle gestärkt hatten, ging es nun hinein in das "Hochgebirge", an Lauterberg und der Odertalsperre vorbei erreichten wir den Oberharz und über eine super ausgebaute Bundesstraße kamen wir nach einer Fahrt durch ausgedehnte Wälder schließlich zum Torfhaus, einem über 900 Meter hoch gelegenen bundesweit bekannten Bikertreffpunkt mit einem fantastischen Ausblick auf den Brocken und die Hochharzlandschaft... Torfhaus Gruppe
Natürlich wurden reichlich die Fotoapparate genutzt - hier eine kleine Auswahl an Bildern:
Torfhaus 1 Torfhaus 2 Torhaus Gruppe Herkules
Schwulenberg :-) Vom Torfhaus fuhren wir dann quer durch den Oberharz zunächst zur Okertalsperre, wo uns der bemerkenswerte Ortsname auf einem Straßenschild beeindruckte - ein Schelm, wer böses dabei denkt.:-))) Weiter durch Clausthal-Zellerfeld ging es wieder herunter nach Osterode, von wo aus wir das flache Hügelland bis Nörten-Hardenberg rasch durchquerten. Hinter Hardegsen wurde die Strecke dann wieder spannend - Kurven ohne Ende und eine wunderschöne Waldlandschaft - viel zu schnell waren die ca. 40 Kilometer über Uslar vorbei und wir waren wieder im Wesertal in Lauenförde.
Abends dann nach dem üppigen Essen wieder eine Menge Spaß in der Villa und in dem großen Garten rundherum - über nähere Details wird natürlich Datenschutz gewahrt :-))

Am Mittwoch dann leider schon die letzte Tagestour - aber es sollte insgesamt die schönste werden - interessante Ziele waren von den Jungs vom LFRR geplant: Eine mittelalterliche Burggaststätte mit "zeitgemäßem" Badespaß an der Burgruine Hanstein, das historische Hannoversch Münden, wo aus Fulda und Werra die Weser entsteht, und als Höhepunkt der Herkules oberhalb von Kassel, das Wahrzeichen der nordhessischen Metropole und ein einmaliges barockes Monument aus dem 18. Jahrhundert...
Auf Grund der guten Erfahrungen vom Montag und Dienstag beschloss die Gruppe, dass wir die Route ortskundig etwas "anpassen", um alle Punkte auch bequem ansteuern zu können, und los ging es zuerst über eine kleine "Insider-Straße" Richtung Hofgeismar und nun der Länge nach durch den Reinhardswald, am Dornröschenschloß Sababurg vorbei hinunter nach Veckerhagen und Hannoversch Münden. Bei schönem Wetter machten wir hier Station am Weserstein. Weserstein
Badezuber Nach einer kurzen Rundfahrt durch die Mündener Fachwerkaltstadt ging es zügig weiter durch das Werratal über Witzenhausen zum Burgeneck Ludwigstein / Hanstein und hinauf zum 500 Meter hoch gelegenenen Bornhagen, wo uns das mittelalterliche Gasthaus erwartete. In den historischen Gewölben wurde neben uriger Verpflegung auch eine mittelterliche Badestube bereitgehalten, die von etlichen Mitfahrern auch gern genutzt wurde.... :-)
Nachdem wir uns in den Gewölben gut erholt und gestärkt hatten, fuhren wir "Herkulesse" von der Hochfläche des Eichfelds wieder hinunter in das enge Werratal und auf der anderen Seite über kurvige verborgene Landstraßen hinauf zum 750 Meter hohen Meißnerplateau, dem höchsten Berg Nordhessens. Hier wurde nach der "Kurvenkratzerei" eine Pause eingelegt, die tolle Aussicht genossen, und weiter ging es hinunter in das Kaufunger Bergland, quer durch den Söhrewald und auf wiederum unbekannten  Schleichwegen knapp südlich an Kassel vorbei über die Fulda hinauf in den Habichtswald Richtung Herkukes... Hoher Meißner

Herkules hinten

"Hintenrum" erreichten wir das Herkules-Monument, und nachdem wir unter Umgehung aller Verkehrsregeln unsere Motorräder, sozusagen einheimisch, direkt am Herkules abgestellt hatten, genossen wir das fantastische Panorama, das sich vor dem fast 80 Meter hohen Oktogon auftat - das Wetter spielte auch hier mit und es war einfach beeindruckend.....

Herkules Gruppe 1

Herkules Blick auf Kassel

Herkules Gruppe 2

Nachdem wir die Aussicht reichlich genossen hatten, suchten wir das nahe gelegene Herkulesrestaurant auf und labten uns, freundlich bedient von einem echt Wienerischem Ober (oder besser Oberin? :-) bei Torte und Cafe auf der überdachten Aussichtsterasse und überbrückten dabei den einzigen Regenschauer des Tages.
Weiter ging es dann gutgelaunt und mit viel Spaß (und perfekter Kurven- und Überholtechnik in der Gruppe :-)) wieder auf Schleichwegen durch den Habichtswald Richtung Norden zurück zur Villa in Lauenförde... es hat allen einfach nur einen Riesenspaß gemacht!
Herkules Oktogon
Gruppe Herkules Vor dem Abendessen dann noch ein fröhlicher Umtrunk und ein ausgelassenes Foto-Shooting :-)
Ein Wiedersehen ist fest beschlossene Sache bei allen "Herkulessen" - wir werden sicher in Verbindung bleiben und Mailkontakte und Bilderaustausch untereinander werden schon gut gepflegt :-)))
Nach dem Abendessen dann leider schon der offizielle Abschied - vier geile und schöne Tage im Weserbergland mit lieben Freunden gehen langsam zu Ende, aber der Abschluss war richtig gut gemacht: Die 155 Kerle (und Kerlinnen :-) versammelten sich im Foyer der Villa, dann folgten die unvermeidlichen,aber lieben Reden und Ansprachen, ein herzliches Dankeschön an die wirklich tolle Crew der Villa Löwenherz und ein Ausblick auf ein Wiedersehen in 2002 - der nächste ECMC-Bikerun wird  in Frankreich stattfinden, der Partnerclub MCRA aus Lyon lädt ein an die Ardeche in Südfrankreich !! Abschluss alle 1
Abschluss alle 2 Helfer Bikerun 2001 Villa Löwenherz Crew

Am Donnerstag dann nach dem Frühstück der allgemeine Aufbruch - ein großer Teil der Biker fuhr, vorbildlich von den Jungs vom LFRR organisiert, weiter zum Ledertreffen in Hamburg - ein Teil machte sich auf den Heinweg.
Aufbruch Auch wir mussten leider erstmal nach Berlin zurück, aber nicht auf dem schnellsten Weg: Über die tolle Strecke durch den Solling vom Dienstag und das Leinetal ging es wieder Richtung Harz, und auf Kurven pur quer über den Oberharz am Brocken vorbei, mit einem ausgiebigen Stopp in Drei-Annen-Hohne, wo wir die Dampfloks der Harzquerbahn bestaunen konnten, weiter über ruhige Nebenstraßen bis Magdeburg und dann auf der Autobahn nach Berlin zurück - eine tolle Zeit mit vielen Freunden aus ganz Europa und bei klasse Motorradtouren lag hinter uns, und im nächsten Jahr werden wir ganz sicher wieder - in Frankreich - dabei sein! :-)

Einen ganz herzlichen Dank an die Freunde vom LFRR Essen und an alle Helfer, die diese tolle Veranstaltung auf die Beine gestellt haben!!!


(C) 11/2001 by Oliver Fischer