ECMC Bikerun 1999 in Österreich

Bericht und Bilder von Oli

Der ECMC Bikerun fand in diesem Jahr vom 1. bis 8. August auf der Burg Piberstein bei Helfenberg in Österreich statt und wurde vom LMC Vienna ausgerichtet. Piberstein befindet sich im nordwestlichsten Teil Österreichs, dem Mühlviertel.

- Los ging es für uns am Sonntag, dem 1.8., zu nachtschlafener Zeit um 7 Uhr in Berlin. Wir (Ralf, Manfred aus Hannover und ich) fuhren mit 2 Motorrädern, Ralf auf seiner Sevenfifty und ich auf meiner Möhre genannten CB 500. Nachdem alle Koffer, Taschen und der Sozius auf den Motorrädern verstaut waren, ging es bei Superwetter zunächst über die A9 Richtung Nürnberg. In Dessau wurden unsere hungrigen Mägen mit MacBreakfast besänftigt, und weiter ging es über die sonntagvormittäglich-leere Autobahn bis Hof. Hier bogen wir Richtung Regensburg ab, zuerst über eine gut ausgebaute Bundesstraße, und dann über eine wirklich fast leere Autobahn durch das Naabtal bis Regensburg. Hier lockte uns wieder ein Mac von der Autobahn und nach einer nahrhaften Pause ging es weiter Richtung Passau. Zwichen Regensburg und Passau erschreckten uns gleich 2 Geisterfahrerwarnungen im Verkehrsfunk - es scheint in der Gegend eine Art Volkssport zu sein....

Grenze Wegscheid In Passau-Nord ging es runter von der Autobahn und ab hier auf einer wunderbaren Strecke entlang der Donau und auf Serpentinen hinauf Richtung Grenze. Von der Grenzstation waren nur noch die leeren Baracken zu sehen - weit und breit keine Kontrolle, aber auch keine Möglichkeit zum Geldwechsel, was uns noch bis Mittwoch beschäftigen wird.....
Gegen 17 Uhr trafen wir dann in Helfenberg ein, hatten die Burg auch gleich gefunden, und nachdem wir unsere Gepäckberge raufgeschleppt und im Schlafsaal verstaut hatten, gab es erstmal eine große Begrüßung - viele gute Bekannte und Freunde aus ganz Europa waren bereits da und es wurde erstmal ausgiebig getratscht....:-) Schlafgewölbe in der Burg
Parkplatz auf der Burgwiese Die Burg Piberstein bot eine urige Atmosphäre, die gut zum Bikerun und den ca. 130 Kerlen (und Kerlinnen :-) mit 103 Motorrädern passte. Die Gastgeber vom LMC Vienna hatten sich alle Mühe gegeben: Eine Bikerbar und eine kleine Verkaufsschau mit allerlei Ledersachen und sonstigem "Zubehör" waren da, im Burgverlies war ein kleiner Darkroom (mit einer Unzahl von Küchenrollen überall, grins) eingerichtet, für Toiletten und Duschen war in Containern gesorgt, und eine Freiluftküche sorgte die folgenden Tage für leckeres Frühstück und Verpflegung. Ein Zeltplatz war für die Camper auf dem ehemaligen Burgfriedhof eingerichtet und die Motorräder waren auf einer nachts beleuchteten Wiese vor der Burg gut bewacht. Einziger kleiner Wermutstropfen war die Unterkunft selbst: Manch einer hat in den insgesamt vier Schlafgewölben auf den spartanischen Feldliegen doch arg gefroren, andererseits war ständig für Frischluft gesorgt... ;-)
Nach der Begrüßung am Abend wurden die Tourenleiter für die Ausfahrten der folgenden Tage vorgestellt, leider in Englisch, wodurch so mancher Orientierungsprobleme hatte. Nach der Vorstellung brach ein allgemeines hektisches Suchen aus, welches ein englischer Teilnehmer sehr treffend mit: "Like the bees on a pancake" beschrieb...:-) 
Wir entschieden uns für die light purple Gruppe (schweinchenrosa, grins), die von Ronald aus Wien geführt wurde. Ronald versprach keine Kirchen- und Burgenbesichtigungen, dafür FAHREN pur, was uns sehr entgegenkam... Wie sich später noch herausstellte, hatten wir damit wirklich das große Los gezogen - an dieser Stelle ein dickes Lob an Ronald und auch an die anderen Gruppenmitglieder!! :-)
Freiluftküche auf der Burg
Nach dem Erkunden der Burg und der näheren Burg-Umgebung kamen sich alle schnell näher (grins..) und irgendwann sind wir dann doch todmüde  auf den Feldliegen in die Schlafsäcke gekrochen....

- Am Montag war nach reichlichem Frühstück die erste Ausfahrt angesagt: Eine Tour durch das Mühlviertel. Pünktlich um 9.02 Uhr fanden sich Ronald, Ralf und ich, zwei weitere Berliner, ein Holländer und ein Nürnberger Biker zusammen, und los ging es zuerst Richtung Norden in den Böhmerwald. Direkt an der tschechischen Grenze ein fantastischer Ausblick auf den Moldaustausee und weiter ging es über kurvige Landstraßen zur Donau. Hier ein weiterer wunderbarer Ausblick auf das tief eingeschnittene Tal und das Kraftwerk Jochenstein. Von hier aus ging es über Berg und Tal zur Donauschleife (wieder Aussicht!) und schließlich zum Mittagessen in ein extra für uns geöffnetes Landgasthaus.

Oberhalb der Donau

Donauschleife

Hier gab es den einzigen Regen der ganzen Woche - kaum waren wir im Gasthof, gingen die Schleusen auf und es wollte nicht mehr aufhören zu regnen, aber wir saßen ja im trockenen. :-) Bei der Gelegenheit lernten wir, dass es in Österreich keinen Kaffee gibt, sondern Großen Braunen, Großen Schwarzen usw., dass Mehlspeise Gebäck und Kuchen bedeutet und einige Besonderheiten mehr. Nachdem wir uns alle gestärkt hatten, und von einem der Tourleiter Wetterentwarnung kam (das Regengebiet hatte tatsächlich nur 5 km Durchmesser und lag genau über dem Gasthof), ging es zügig weiter Richtung Linz (Ausblick :-) und Freistadt, wo wir uns am Markt zu einem entsetzlich leckeren Eisbecher niederließen...
Am Abend dann auf der Burg wieder rustikales Abendessen, ein Lagerfeuer am Zeltplatz vor der Burg, und irgendwann später in den warmen Schlafsack...

Mittagessen am Attersee

- Am Dienstag, wiederum pünktlich um 9.32 Uhr, die Abfahrt Richtung Salzkammergut/Alpen. Zügig ging es durch das Kurvenparadies Oberösterreichs nach Vöcklabruck und weiter zum Attersee, wo in einem Gartenrestaurant ein reichliches Mittagessen wartete. Frisch gestärkt ging es weiter den Mondsee entlang über den ersten kleinen Pass zum Wolfgangsee. Hier dann der erste richtige Abstecher in's Hochgebirge - über eine private schmale Paßstraße hinauf zur Postalm (mit Ausblick ;-) und wieder herunter durch schmale Alpentäler zum Hallstätter See und weiter über Passstraßen zum Traunsee - einfach traumhaft! Hier zeigte sich, dass wir wirklich eine prima Gruppe bildeten: Alle hatten in etwa den selben flotten Fahrstil, es hat einfach nur Spaß gemacht. :-)

Von hier aus ging es wieder Richtung Norden aus den Alpen heraus, durch den Gmundener Berufsverkehr nach Lambach, wo wir vergeblich nach einem Cafe suchten - in Österreich hat fast alles Dienstags Ruhetag.... In Eferding fanden wir dann doch noch ein geöffnetes Gartenlokal, idyllisch hinter einer Tankstelle gelegen. Von hier über die Donau wieder das Mühlviertel hinauf nach Piberstein - ein absolut gelungener Tag! :-)

Alpenpanorama auf der Postalm

Ohne Worte :-)

Abends dann auf der Burg ein Sturm auf die Duschen (am Morgen war das Wasser ausgegangen..), die Ankündigung der "Ralley" am Mittwoch, Bikerbar, Lagerfeuer und, äähm.... ;-)

- Mittwoch dann die Ralley: Unsere Gruppe startete diesmal wirklich pünktlich um 9.30 Uhr in vorbildlicher Ordnung mit mir als Nicht-Tourleiter an der Spitze (freu :-), was uns bereits 9 Pluspunkte einbrachte. Drei Aufgaben waren bis zur Mittagspause zu lösen, was uns nicht schwerfiel: Den heiligen Wolfgang in Waldburg mit der Kirche im Arm fanden wir auf Anhieb, die Quelle in Maria Bründl nebst Kreuzweg war auch schnell gefunden und den Altar in Kefermarkt hatten wir auch schnell abgehakt, so dass wir lange vor der Rennleitung am Mittagstreffpunkt am Schloss Weinberg ankamen und bereits unser Essen verdrückt hatten, als der Rest eintrudelte :-)

Wie hieß die Weberfamilie??

Schmetterling im Glas

Hier bekamen wir den zweiten Teil der Aufgaben - unter anderem mussten wir einen Schmetterling einfangen und wohlbehalten zur Burg mitbringen, was wir in Teamwork sofort erledigten: Noch auf dem Parkplatz hatten wir den Schmetterling, den wir in einem vom Lokal gesponserten, mit Blumen und Gras in ein Biotop verwandelten Schraubglas verstauten. Die weiteren 2 Aufgaben hatten wir auch in Rekordtempo erledigt, so daß wir bereits um 14 Uhr wieder auf der Burg eintrafen, wo außer uns leider noch niemand war....
Spontan entschlossen wir uns zu einem Ausflug nach Linz, wo ich endlich zu Öschis kam, wir mit der Bergbahn auf den Pöstlingsberg fuhren, den Ausblick über Linz bei einem Eisbecher genossen, Ralf einen BMW-Auspuff eines Teilnehmers mal so eben reparierte, und wir schließlich nach einem Supertag wieder auf der Burg eintrafen.

Ledersandwich :-)

Am Abend dann die Siegerehrung - fast alle Teams hatten in etwa die selbe Punktezahl erreicht und:
Unser Team erreichte von 11 Gruppen den 2. Platz! :-)

Große Freude natürlich - die gewonnen Bikerun- und LMC Vienna-T-Shirts wurden sofort auf dem Burghof anprobiert und der Abend klang dann am Lagerfeuer und in der Burgumgebung "nett" aus...

- Am Donnerstag dann der Aufbruch Richtung Wien - drei ereignisreiche Tage auf der Burg lagen hinter uns und nun lockte Wien, der Hauptabend im lo:sch (und endlich ein richtiges Bett mit Kopfkissen...;-)

Von Piberstein aus ging es wieder gruppenweise durch das oberösterreichische Kurvenparadies, durch den Strudengau und die Wachau zum Mittagessen in einem Heurigenlokal (wir waren wieder mal die ersten, grins..) und weiter über wunderschöne Strecken durch den Wienerwald herunter in den Wiener Großstadtberufsverkehr. Hier verteilte sich alles auf die einzelnen Gastgeber, aber für den nächsten Morgen war schon eine gemeinsame Motorrad-Stadtrundfahrt fest vereinbart...

Mittagessen in der Wachau

Wir (Ralf und ich) hatten es sehr gut getroffen - unsere Gastgeber waren superlieb und einer noch dazu wie ich Eisenbahnfan, so dass wir sofort ein Thema hatten :-) Nach ausgiebigem "Klönen" planschten wir alle noch in dem Schwimmbecken auf dem Dach des Hochhauses (sozialer Wohnungsbau in Österreich!!) und waren dann aber relativ schnell  todmüde zum schlafen verschwunden....


- Am Freitag dann die Motorrad-Stadtrundfahrt: Treffpunkt war an der Stadthalle, wo sich nach und nach mehrere Gruppen zusammenfanden. Los ging es zuerst die Ringstraße entlang, wo sich Sehenswürdigkeit an Sehenswürdigkeit reiht: Staatsoper, Hofburg, Burgtheater, Parlament, Rathaus, Museen und und und.... Danach ging es in die engen Gassen der Inneren Stadt, wo sich einige Mutige in der Tropenhitze die Treppen hinauf auf den Stephansdom wagten, einige andere (auch wir, grins) es aber vorzogen, sich faul an einem Eisbecher bei Zanoni und Zanoni zu laben. :-) Aus der Innenstadt ging es dann den Wienerwald hinauf zum Kahlenberg, wo sich wieder ein tolles Panorama auftat!

Stop auf der Reichsbrücke vor der UNO-City

Im Anschluss unternahmen Ralf und ich dann noch eine weitere Stadtrundfahrt mit der Straßenbahn, U-Bahn, Stadtbahn und Schnellbahn durch Wien, wobei wir die Stadt auch aus dieser Perspektive kennenlernen konnten. :-)

Am Abend dann die große Bikerfete im lo:sch, dem Clublokal des LMC Vienna! Das Lokal war proppenvoll, super eingerichtet (für jeden Geschmack etwas: Badewanne, Keller, Slings....;-) und seeeehr warm... 

Nach vielem "Spaß" und Superstimmung im lo:sch lernten wir dann irgendwann nachts noch die Vorzüge des Wiener Nachtbusverkehrs kennen und kamen wohlbehalten in unserem Quartier an...


- Am Samstag war der Abschiedsbrunch im schwul-lesbischen Haus, einem rosa Gebäude im 6. Bezirk angesagt. Leider hatten wir uns dermaßen vertrödelt (und verschlafen), dass wir ziemlich verspätet dort ankamen.... Einige gute Bekannte trafen wir dennoch an und nach einigem Smalltalk machten wir noch eine Tour zum Wiener Tramway-Museum und durch die Stadt. Abends haben wir dann mit unseren Gastgebern noch einmal das Dach-Schwimmbad heimgesucht und uns bis tief in die Nacht gemütlich auf der Terasse unterhalten - und natürlich schon einen Gegenbesuch in Berlin vereinbart :-)

- Sonntag morgen dann der Abschied - eine wunderschöne Woche in Österreich war viel zu schnell vorbei und es ging wieder Richtung Berlin. Nachdem wir Manfred wieder aufgeladen hatten, ging es auf Autobahn und Landstraße zur tschechischen Grenze und weiter über gut ausgebaute Straßen durch Mähren. Hinter Znaim fanden wir ein Landgasthaus, wo wir ein spätes Frühstück/frühes Mittagessen reinschaufelten - die tschechische Küche, einfach lecker! :-)

Über Iglau ging es dann zügig weiter Richtung Norden - zu zügig leider, denn in einem unscheinbaren Dörfchen tappten wir in eine Radarfalle, was uns zunächst 2000 tschechische Kronen kosten sollte...:-( Aber die (übrigens netten) tschechischen Polizisten hatten nicht mit unserer unglaublichen Sturheit gerechnet - nach einer guten Stunde Herumdiskutieren und bockigem Warten konnten wir die Strafe auf 900 Kronen herunterhandeln und weiter ging es. ;-)

Die Fahrt führte dann (gemächlicher) durch das böhmische Tiefland an Prag vorbei nach Jungbunzlau und ab hier durch das Mittelgebirge Richtung Grenze Varnsdorf. Kurz vor der Grenze fanden wir noch einen Landgasthof mitten im Wald, wo wir entsetzlich leckere böhmische Knödel mit Heidelbeeren und weitere Köstlichkeiten einschaufelten - das Lokal ist absolut empfehlenswert und nur gut 3 Stunden von Berlin entfernt! :-)

Hinter der Grenze ging es dann über Bautzen nach Cottbus, wo wir die Autobahn erreichten und nach 13 Stunden wunderschöner Fahrt um Mitternacht schließlich wieder im sommerlich-heißen nächtlichen Berlin eintrafen.


Einen Riesendank hier nochmals an den LMC Vienna, der dieses tolle Treffen organisiert hatte, und Dank auch an unsere Gastgeber in Wien - es war alles einfach nur klasse! :-)

Der nächste ECMC Bikerun findet im Jahr 2000 in den Niederlanden statt - wir freuen uns schon darauf und werden auf jeden Fall wieder dabeisein!

(C) 10.08.1999 by Oliver Fischer